Qualität und Biodynamik

Qualität und Biodynamik

 

Wer aufmerksam Möhren verkostet, wird feststellen, daß nicht nur bei jeder Herkunft, sondern auch jedes Jahr ein anderer Geschmack zu erleben ist.

Auch bei Tomaten, Kartoffeln, Äpfeln etc. lässt sich ähnliches erleben. Meiner Erfahrung nach wird der Geschmack ungefähr zu 40% von der Düngung, dem Boden und der Kulturführung, zu 40% von der Sorte und zu 20% vom Witterungsverlauf geprägt.

 

Um das zu verstehen muß man den Vorgang der Reife kennen.

Jeder Hausgärtner weiß, daß er zu genau dem einen, kurzen Zeitpunkt erntet, wenn sein Gemüse oder Obst reif ist. Im Handel geht es oft genau andersherum es wird bestellt und erwartet, daß eine bestimmte Menge zu einem festgelegten Zeitpunkt verfügbar ist.

Eine Naturpflanze kennt zwei Entwicklungsphasen. Eine vegetative Phase des Wachstums und eine generative Phase der Blüte und Samenbildung. Wo Früchte gebildet werden dient das in erster Linie der besseren Verbreitung des Samens. Tiere haben sich auf die Verdauung der Naturpflanzen spezialisiert und sind täglich lange Zeit mit Nahrungsaufnahme und Verdauung beschäftigt.

Es ist eine bis heute noch nicht vollständig erklärbare Leistung, wie die ersten Kulturpflanzen gezüchtet wurden. Versuche aus einem Gras ein Getreide zu züchten heutzutage erwiesen sich als fast unmöglich. Züchtungsneuheiten entstehen nur aus Kombination und Abänderung der vorhandenen Kulturpflanzen. Selbst die Gentechnik kombiniert nur Vorhandenes neu.

 

 

In der Kulturpflanze können Wachstumskräfte sich zur Fruchtbildung und Reife umformen. Ein Salat ist auch eine Frucht, eine Blattfrucht. Zur Samenbildung ist diese Frucht hinderlich, sie dient nur zur menschlichen Ernährung, ebenso eine Möhre, Rote Bete, Kohlrabi etc.. In der Reife werden die Kräfte der Sonne nicht zum Weiterwachsen sondern zur Bildung wertvollerer Substanzen genutzt. Aus einfachen Zuckern werden komplexe, aus einfachen Eiweißen hochwertige. Sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine, Aromen etc. werden gebildet. Diese Stoffe werden nicht irgendwo in der Pflanze versteckt, sondern in einer Fruchtbildung leicht verdaulich zum „Abpflücken“ angeboten.

Auf einem Wald oder Naturboden kann auch die Kulturpflanze keine Frucht hervorbringen, sonder „schießt“ und bildet Samen.

Daher sehe ich es als meine Aufgabe als Bauer den Boden so zu kultivieren, daß eine möglichst intensive Reifephase möglich wird um ein geschmackvolles, hochwertiges Lebensmittel anbieten zu können.

Wenn die Wachstumskräfte nicht zur Reife umgewandelt werden, können hohe Erträge erzielt werden, die Erfahrung zeigt, daß die Qualität in der Regel geringer ist. Im Weinbau ist das allgemein anerkannt, bei Tomaten wissen die Züchter, daß es Ertrags- und Geschmackssorten gibt, aber nicht beides in einer Sorte.

Bei Weizen wird oft z.B. ein hoher Gehalt an Eiweiß als positiv gewertet, ohne zu fragen, ob es hochwertige oder einfache, eher belastende Eiweiße sind. Wir verwerten die Substanzen der Nahrung nicht als Bausteine wie beim Hausbau sondern als Kompositionen wie in der Kunst. Mit denselben Inhaltsstoffen kann ein hervorragender Koch etwas leckeres, bekömmliches zubereiten während als Fastfood dasselbe weniger bekömmlich wirken kann. Im Wort „organisch“ steckt organisieren. Bei Ernährung, auch bei der Pflanzenernährung geht es um das Herstellen von harmonischen Verhätnissen der Stoffe zueinander.

 

 

Photoreihe: Harmonie durch Verhältnisse, im Wort Organisch steckt organisiert

 

Ein biologisch-dynamisches Spritzpräparat, wenn sachgemäß aus transformierten Kuhdung hergestellt und mit den Kompostpräparaten versehen, kann im Boden Prozesse so anregen, daß harmonische Verhältnisse entstehen, die ein Wachstum fördern welches sich zur Reife wandeln kann. (Wußten Sie, daß im Regenwurmkot Nährstoffe genau in der Zusammenstellung ausgeschieden werden, wie es ideal für das Pflanzenwachstum ist? So einen vielseitigen, ausgewogenen Dünger könnte man künstlich nicht herstellen.)

Humus versorgt die Pflanze mit hochwertigen, komplexen Stoffen. Die Pflanze muß jedoch diese durch eigene Wurzelaktivität aufnehmen. Eine Pflanze kann durch Humusdüngung nur indem Maße aktiv werden, indem die Sonne strahlt. Das gewährleistet, daß sie nur wächst, wenn auch ein Sonnenreifen möglich ist.

Zur Unterstützung der Humusbildung säen wir Gründüngungen aus den verschiedensten Pflanzenarten an, arbeiten diese unter Einsatz der biologisch-dynamischen Präparate schonend ein zu einer Flächenkompostierung. Wir tauschen mit unserem Nachbarn Futter und Stroh gegen Kuhmist. Dieser wir mit den biologisch-dynamischen Präparaten aufgesetzt und kompostiert.

Im Gewächshaus konnten wir bereits in den ersten 5 Jahren durch Gründüngung, die biologisch-dynamischen Präparate und Kompost den Humusgehalt von 2,5% auf 5% steigern. auf dem Acker konnten wir in 12 Jahren den Humusgehalt im Durchschnitt um 0,5% steigern.

 

Spannung aus Licht

Ein weiteres biologisch-dynamische Spritzpräparat aus Bergkristall unterstützt die Pflanze in der Wandlung der Wachstumskräfte zu Reifevorgängen. Es setzt üppigem Wachstum Formung entgegen, wie es auf den Vergleichsbildern zu sehen ist.

Wir wählen Gemüse- und Getreidesorten aus, die das Potential zur Reife unserer Kultivierung in Geschmack umsetzen. Wir akzeptieren dabei bewusst auch geringere Erträge.

Dem künstlerischen Blick zeigen sich viele Unterschiede in der Pflanze. Wirkt eine Pflanze lebendig, gespannt, anregend, langweilig, gepuscht, aufgeblasen, kraftlos? Ist eine Bodenfarbe leuchtend, lebendig oder vielleicht zwar dunkel aber matt, leblos?

 

Die biologisch-dynamische Arbeit bedeutet genaues Beobachten um die Qualität der Präparate und den angemessenen Einsatz ständig zu verbessern.

Alex Podolinski aus Australien (Bio-dynamic Research Institute)entwickelte die Methode „Aktives Wahrnehmen“ um zu einer lebendigen Sicht zu gelangen.

Wir treffen uns jährlich mit verschiedenen Bauern und Winzern um „Aktives Wahrnehmen“ zu üben. Wir lernen voneinander bezüglich Bodenbearbeitung, des Einsatzes der biologisch-dynamischen Präparate, der Wahrnehmung der Wirkung der Präparate an der Pflanze. Im Anbau eine gute Bodenstruktur und Lebendigkeit zu erreichen um Geschmack und Ernährungsqualität zu fördern ist gemeinsames Ziel.